Gedanken zur Blog-Zersplitterung (Update)
Geschrieben am 16. November 2010 um 23:49 Uhr von Arne.
Katharina hat mit ihrem Tumblr-Blog und der Zersplitterung ihrer Blogs zu kämpfen und das, denke ich, nicht nur auf technischer Ebene, wie sie in ihrem Beitrag fragt, sondern auch auf konzeptioneller Ebene. Bei Tumblr ist es nun zum Glück so, dass es darauf ausgelegt ist, dass ein Nutzer mehrere Blogs führen kann – allerdings ist es, gerade als Einzelperson, sehr schwierig mehrere Blogs zu führen und möglichst oft zu füllen, wie ich auch aus eigener Erfahrung weiß. Daher bin ich der Meinung, dass man seine Output-Kanäle, wie Blogs, reduziert halten sollte und nur dann aufteilt, wenn eine sinnvolle Trennung wichtig oder nötig ist.
Ich selbst führe mittlerweile mehrere Blogs (zwei bis drei, wenn das eingeschlafene jarne Film-Projekte dazu gezählt wird), darüber hinaus bin ich bei Twitter aktiv, lese E-Mails und andere Blogs und habe vor allem ein Leben und ein Studium. Es ist mir daher leider gar nicht möglich in allen Kanälen und Blogs jeden Tag etwas, möglichst sinn- und gehaltvolles, zu veröffentlichen und so kommt es, dass meine Blogs von Zeit zu Zeit leider etwas, mehr oder weniger lang, einschlafen.
Das ich überhaupt zwei Blogs führe, ist aus dem Wunsch meines ersten Blogs entstanden, gestalterische und technische Themen von meinen persönlichen oder politischen Themen zu trennen; zumal die technischen Themen, die ich auch ab und an in meinem privaten Blog anschneide, für das Publikum dieses Blogs eher schwer verständlich und langweilig sind – wobei ich wegen der geringen Veröffentlichungen hier im Blog schon darüber nachgedacht habe, die beiden Blogs wieder zu vereinen, mich aber aus den eben genannten Gründen doch nicht dazu entschieden habe.
Wenn sich allerdings die Themen der eigenen Blogs sehr ähneln, ist es nicht immer ganz einfach zu entscheiden, an welchem Ort ein Beitrag besser aufgehoben wäre. Und wenn ein Thema in mehrere Blogs passt, kommt es zu Cross- bzw. Doppel-Postings (und somit zu Redundanz).
Bei Katharina ist es nun so, dass sich ihre Blogs, meiner Meinung nach, sehr ähneln: Sie führt ein Foto-Blog, kattitu.de, als eine Art Online-Portfolio (auf WordPress-Basis); einen Tumblr-Blog, kat’s log, als privaten Blog; und einen weiteren Tumblr-Blog, heartcrazed’s iPhone shots, auf dem sie direkt Fotos von ihrem iPhone veröffentlicht. Im Prinzip alles ähnliche Blogs, zumal es bei ihr überall viel um Fotografie geht, aber dennoch hat jedes Blog seinen besonderen Akzent. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass sie ihre Blogs zu sehr zersplittert hat: Der iPhone-Foto-Blog könnte auch sehr gut, in eine Kategorie oder Tag abgelegt, im privaten Blog funktionieren. Es ist natürlich legitim und auch, besonders am Anfang, sehr verlockend und motivierend, für einzelne Projekte Blogs anzulegen und dort Dinge zu einem Thema, wie z.B. iPhone-Fotos, zu sammeln, leider wirken solche Blogs immer sehr verwaist, wenn das Interesse für das Projekt nachlässt oder sich der persönliche Themen- und Projekt-Fokus verlagert (oder, wie in diesem Fall, technische Probleme bzw. Umstände das regelmäßige Veröffentlichen behindern). Mir sind deshalb diversifiziertere aber aktivere Blogs lieber, als sporadisch geführte Blogs zu speziellen Themen und Projekten (auch wenn ich selbst diesem Anspruch manchmal leider nicht gerecht werde).
Leider ist mir auch die Grenze zwischen Katharinas Foto-Blog kattitu.de und ihrem privatem Blog kat’s log zu unscharf, was aber vielleicht nur daran, dass sie Fotos aus einer Session nochmals auf ihrem Tumblr-Blog veröffentlicht (wo wir bei der angesprochenen Redundanz wären) und an meiner Wahrnehmung, liegt.
Was nun der beste Weg für Katharinas Blogs wäre, kann ich nicht entscheiden, dass hängt von ihren Zielen und Ansprüchen, an und für die einzelnen Blogs, ab. Wichtig ist nur bei der Blog-Zersplitterung, dass man nicht außer Acht lässt, dass jeder Blog gepflegt und gewartet werden will (was unter Umständen, einen erheblichen Arbeitsaufwand bedeutet) und dass vielleicht die Aufmerksamkeit von Besuchern zerstreut wird, da nicht jeder Blog-Leser bzw. -Besucher unbedingt die anderen Blogs auf dem Schirm hat und deswegen vielleicht nicht die, für ihn interessanteren, Dinge findet und man ihn so deshalb nicht als regelmäßigen Leser gewinnt oder aber wegen mangelnder Aktualisierung verliert.
Zufällig hab ich heute ein sehr interessantes Interview mit dem Erfinder von Rivva, Frank Westphal, gelesen, der nicht direkt etwas zu diesem Thema sagt, aber etwas allgemeines über die Qualität von Blogs, durch den Einfluss von Twitter; und eine ebenfalls sehr Interessante Aussage zu Zeit und Aufmerksamkeit trifft:
Die Leute streuen ihre Aufmerksamkeit immer breiter, gemäß dem »Law of Raspberry Jam«: »The wider any culture is spread, the thinner it gets.« Mittlerweile buhlen diverse web2.0-ige Dienste um deine Aufmerksamkeit … Xing, Facebook, Twitter und so weiter, da hat man weniger Zeit für das eigene Blog. Viele Dinge, die vorher in einem Blogpost gelandet sind, landen heute bei Twitter. Das hat teilweise dazu geführt, dass die Qualität auf Blogs wieder zugenommen hat, weil das witzige Youtube-Video eben bei Twitter landet und nicht im Blog.
(Hervorhebung von mir.)
Update, 18. November 2010: Stephan May, der Frank Westphal interviewte, bat mich die Original-Interview-Texte zu erwähnen, weil es sich bei dem Text bei den Netzpiloten um ein Crossposting handelt: Teil 1 und Teil 2 des Interviews in seinem Blog.